Schlussbetrachtung | Die römische Stadt in Hispanien
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Schlussbetrachtung

In republikanischer Zeit war die Bedeutung Hispaniens bereits gewachsen aber die Mitbestimmung der Städte und Eliten befand sich noch auf einem Minimum. Die wirtschaftliche Bedeutung der Provinz war bereits enorm und trotzdem waren die privilegierten Gemeinden römisch und nur wenige Einheimische waren durch Einzelernennung römische Bürger geworden oder trugen bereits den Titel equitus. Man kann also behaupten, dass die Privilegierung der allgemeinen Entwicklung hinterher hinkte.

Caesar schien die Bedeutung und das Potential der Provinz erkannt zu haben. Wohl hauptsächlich um Parteigänger zu belohnen, schuf er den Rechtsstatus municipium auch außerhalb Roms und Hispanien wurde das Testfeld für die Gewährung von Privilegien in den Provinzen. Senator, Konsul und Kaiser: Die ersten Provinzialen waren Hispanier. Ohne die Veränderungen von Caesar und Augustus hätte die Romanisierung nicht in diesem Maße stattgefunden; und dabei war sie schon lange überfällig: Längst waren die Einheimischen befriedet und ihre Eliten besaßen ritterlichen Reichtum, wie das Beispiel Tarraco zeigt.

Vespasian brachte keine Neuerung im Rechtssystem, aber dafür in der Dimension. Kein Kaiser späterer Zeit empfand es als nötig, weitere Munizipien zu gewähren. Plinius schrieb vielleicht deshalb  „universae Hispaniae [45] , weil die Auswirkungen so enorm waren. Die Zahl der provinzialen Ritter überschritt die der Römischen und knapp zwanzig Jahre danach hatte Rom den ersten hispanischen Kaiser. Von einem Machtwechsel Italien – Hispanien kann man aber keinesfalls sprechen. Die Eliten wurden durch den langsamen Aufstieg weitestgehend assimiliert und waren in hohen Ämtern mehr Römer als Hispanier, den Euergetismus hierbei ausgenommen.  Die Provinz blieb daher eine Provinz, aber eine der führenden, in vielen Bereichen die führende Provinz.

Die Wechselwirkung Wirtschaft – Eliten – Rechtsstellung hat sich bestätigt. Alle drei Faktoren beeinflussten sich gegenseitig, was man an der Häufung der Veränderungen in bestimmten Zeitabschnitten sehen kann. Allerdings ist noch unklar, was der Auslöser für das jeweils andere war. Ich vermute, dass die Wirtschaft zuerst wuchs und die Privilegien und Elitenrekrutierung verspätet kamen. Das wäre jedoch noch genauer zu untersuchen, wenn das aufgrund der Quellenlage überhaupt möglich ist.

Vielleicht sollte man auch einen negativen Aspekt der Romanisierung weiterverfolgen: Laut Keay hatte die Absorption lokaler Eliten in die Reichsaristokratie zur Folge, dass diese im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. in der Provinz spürbar fehlten. Der finanzielle Druck auf die übriggebliebenen Familien erhöhte sich und viele verarmten dadurch. [46] Auch das Christentum als „divisive element“ [47] , das Ende der Goldförderung zu Beginn des 3. Jahrhunderts und die wirtschaftliche Flaute in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts [48] wären hierbei von Bedeutung.


 
 

[45] Plin. nat. 3,30

[46] Keay: Roman Spain. S. 173

[47] Keay: Roman Spain. S. 173

[48] Claude Lepelly (Hrsg.): Rom und das Reich in der Hohen Kaiserzeit. S. 145